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Historisch gesehen ist Graffiti ausser der Sprache, respektive der Verständigung durch Laute, die älteste Form von Kommunikation der Menschheit. Schon die Höhlenbewohner hatten mit Steinen Jagdszenen und Abbildungen von Menschen und Tieren an die Wände der von ihnen bewohnten Höhlen gekritzelt.

Der Begriff Graffiti (Einzahl Graffito) leitet sich in der historischen Sprachwissenschaft vom griechischen Wort "graphein" ab. Im italienischen Sprachraum entwickelte sich aus "sgraffare" (= kratzen, das Gekratze) Sgraffito bzw. Graffito. Beide Bezeichnungen stehen synonym für eine Technik der Fassadengestaltung, einer Kratzputztechnik, bei welcher verschiedenfarbige Putzschichten übereinander aufgetragen und anschliessend durch Wegkratzen der jeweils oberen Schicht reliefartige Motive gestaltet werden. Viele solcher Sgraffitohäuser stehen heute unter Denkmalschutz.

Eine seit kurzem bestehende kulturelle Abart, verbunden mit dem leichten Zugang zu den Aussenwänden von Gebäuden, belastet und beschädigt historische und zeitgenössische Bauten und Denkmäler mit Graffiti und anderen Farbschmierereien.

Historisch gesehen entspringt diese Subkultur aus Philadelphia und - anderen Quellen zugrunde - aus den Ghettos New Yorks. Anfang der 1970er Jahre wurde es unter den Jugendlichen Mode, ihre Namenskürzel so oft und so weiträumig wie möglich in den Stadtgebieten zu verbreiten, um so auf ihre Existenz aufmerksam zu machen.

Der Ausbruch aus der Anonymität wurde aber aufgrund der Fülle der entstandenen so genannten "Tags" immer schwieriger, so dass neben der Menge der Namenszüge bald auch qualitative Aspekte hinzukamen. Die Schriftzüge (styles) wurden kalligrafisch stilisiert und zusätzlich mit bunten Figuren (characters) und Botschaften (messages) geschmückt. Diese weit verbreitete Tradition des Hinterlassens des Namens ist sowohl als Territorialmarkierung als auch als einfache Botschaft des „Hiergewesenseins“ anzusehen und hat bis heute auch bei uns unübersehbare Ausmasse angenommen.